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„Im neuen Jahr wird alles anders!“

Auf 24 Seiten präsentieren wir Ihnen in dieser Ausgabe der Familienwelt
unseren Wandkalender. Unsere Autorin und Psychologin Christina
Zimmermann hat die „Gebrauchsanweisung“ dazu geschrieben.

 

„Im neuen Jahr wird alles anders!“ Die Jahre vergehen, aber auf diesen in Gedanken ausgesprochenen Satz ist Verlass. Er kommt immer mit. Dann – einige Wochen später im neuen Jahr – haben wir die Vorsätze vergessen.
Wir wollten eigentlich als Familie mehr miteinander unternehmen.
Die unterschiedlichen Interessen und Wünsche zusammenbringen.
Oder etwas ganz Neues gemeinsam oder mit gegenseitigem Interesse allein entdecken. Ein Kalender ist da schon mal ein guter Anfang, um sich Familienzeiten und private Zeiten einzutragen. Also könnte der erste gute Vorsatz darin bestehen, den Kalender zu füllen. Das scheint ja auf den ersten Blick ganz einfach zu sein. Also wie kommt es, dass wir immer wieder an unseren guten Vorsätzen scheitern? Wir merken ziemlich schnell im neuen Jahr, dass sich, außer der Jahreszahl, nicht viel geändert hat. Anstatt gemeinsam etwas zu unternehmen, sitzt man als Elternteil erschöpft abends vor dem Fernseher und die Kinder am Computer. Aus „Jeden Abend Joggen“ wurde „Dreimal Joggen“ und das war es dann schon wieder. Und überhaupt steht die Arbeit schon wieder so sehr im Vordergrund, dass zu wenig Zeit für anderes bleibt.
 

Wir kommen zu dem ernüchternden Schluss: „Nützt ja alles nix. Wünschen kann man sich viel, klappen tut es trotzdem nicht.“ Wenn man selbst glaubt, nichts ändern zu können, hofft man auf Veränderungen von außen. „Wenn das nächste Projekt zu Ende gebracht ist, dann gibt es wieder mehr Luft“, hoffen wir. „Wenn der Jüngste erst in der Schule ist, dann werde ich wieder mehr Zeit haben für andere Dinge“, so spricht man sich Mut zu. Wer sich mit der Erfahrung der vergangenen Jahre beschäftigt, weiß, dass nach dem Projekt vor dem Projekt ist. Dass die Schule neue Aufgaben mit sich bringt. Dass Anforderungen auf einmal entstehen, wo wir sie gar nicht erwartet haben. Was passiert dann mit unseren schönen Ideen und guten Vorsätzen? Wie können wir unsere Einfälle vor dem Vergessen und in den Alltag retten?
 

Ein Freund hat mir einmal eine Karte mit dem Satz „Rette Dein Ziel, verfehle es“ geschenkt. Ist es möglich, dass bei der Erreichung eines Zieles ein knappes Daneben nicht vorbei, sondern genau in die Mitte getroffen ist? Sozusagen ein „Zen der guten Vorsätze“? In der Kunst des Zenbogenschießens kommt es nicht darauf an, das Ziel zu treffen. Ein Treffer ist nur ein sichtbarer Teil von den vielen kleinen Dingen, die vorher auf dem
Weg zum Ziel passiert sind. Dazu gehört eine Absichtslosigkeit. Das heißt, sich nicht verbissen auf eine Sache zu konzentrieren und diese auf Biegen und Brechen erreichen zu wollen. Achtsamkeit gehört auch dazu.
Die kann man erreichen, indem man sich fragt, wann und in welchen Situationen fühle ich mich wohl und wie erreiche ich es, dass andere sich wohl fühlen. Im Bogenschießen, wie auch in der Umsetzung von Lebenszielen, kann man natürlich auch den Weg der reinen Technik wählen.
Das wären dann starre Zeitvorgaben, Belohnungen oder Bestrafungen, je nachdem, ob der nächste Schritt getan wurde oder auch nicht.
Dazu gehört auch, mit Scheuklappen und ohne Rücksicht auf das eigene Wohlbefinden auf ein Ziel zuzumarschieren.
Auch dann, wenn sich die Bedingungen ändern, daran festhalten usw. Die Technik klammert einen wichtigen Aspekt aus: Die emotionale Bedeutsamkeit von Vorsätzen. Damit wir in die Umsetzung kommen, muss uns etwas wirklich wichtig sein. Auch das scheint zunächst ganz einfach zu sein. Ist doch klar, dass uns etwas wichtig ist, wenn wir es ändern wollen.
Allerdings sind Veränderungen nie einfach.
 

Denn wer dringend etwas ändern
möchte, weiß manchmal gar nicht
so recht, wo er anfangen soll.

 

Denn wer dringend etwas ändern möchte, weiß manchmal gar nicht so recht, wo er anfangen soll. Das ist nicht ungewöhnlich. Der Psychoanalytiker Kets de Vries weiß das. Sein Hauptgeschäft ist es, Menschen bei Veränderungen zu begleiten. Veränderungen sind etwas, was die meisten Menschen nicht so toll finden. Sie bringen den Alltag durcheinander. Nebenbei beinhalten sie aber auch ein gewisses Risiko. Zunächst gibt es das Risiko des Scheiterns. Eine Veränderung kann aber auch erfolgreich sein.
Auch das ist riskant. Wer erst einmal mit einer kleinen Veränderung anfängt, wer weiß, was das nach sich zieht? Wer hätte noch nicht davon gehört, dass eine ganz kleine neue positive Erfahrung das Leben eines Menschen nachhaltig verändern kann? Was würde passieren, wenn Sie Ihrer heimlichen Leidenschaft mehr Raum zugestehen? Sie würden vielleicht vergessen, die Wohnung aufzuräumen. Sie würden vergessen, wie man Überstunden macht. Sie wüssten nicht mehr, wo die Fernbedienung des Fernsehers ist. Sie würden vergessen, wie man einen Familienstreit vom Zaun bricht. Was wäre das nur für ein Leben? Schön, aber auf jeden Fall mit unbekanntem Ausgang. Wir würden uns auf einem völlig neuen Terrain bewegen. Selbst wenn die Aussichten auf dieses neue Leben rosig
sind, fällt man gerne in den alten Trott zurück. Auch dann, wenn wir uns mit zu viel Arbeit und zu wenig Familienzeit stressen. Das ist uns vertrauter als die leichte Seite des Lebens. Wir sind besser darin geschult, trotz Stress zu funktionieren, als ohne Stress Spaß zu haben. Viele Menschen wünschen sich mehr Freizeit und Gelöstheit in ihrem Leben. Die, die es schaffen, das für sich umzusetzen, machen offensichtlich etwas anders als die anderen. Das wird zumeist am Anfang auch positiv zurückgemeldet.


Aber anders zu sein ist vom sozialen Standpunkt aus riskant.
Freunde und Kollegen fangen vielleicht an, einen etwas skurril zu finden, weil man seine Zeit auf einmal statt mit Arbeit mit ganz ungewöhnlichen und zweckfreien Dingen füllt. Darauf kann man sich vorbereiten. Ein anderes soziales Phänomen weist nämlich darauf hin, dass leidenschaftliche und ausgelassene Menschen eine große Anziehungskraft haben.
Und sie sind überzeugend, weil sie gerne ihre Erlebnisse teilen, ohne dabei belehrend zu sein. Das wird dann selbst den größten Skeptiker umstimmen.
Auch wenn er nicht Ihr Leben leben will, werden Sie einen weiteren interessierten Zuhörer gewinnen. Für die gelungene Umsetzung der Vorsätze ist das Mitteilen und Erzählen ein weiterer positiver Faktor.
Je mehr wir uns zeigen, umso höher wird die Chance, auf andere zu treffen, die ähnliche Ideen oder Ziele haben wie wir.


… weiterlesen und mehr erfahren* können Sie in der Printausgabe der Familienwelt: Erhältlich in den Bücherhallen, bei Heymann, Thalia und am Kiosk.

 

* inkl. Tipps zur Umsetzung

Christina Zimmermann, 8.11.2013
Foto:

hrsg. von MedienMelange © Familienwelt-Hamburg

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