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Familienleben

Geht gleich los

Schon unsere Vorfahren wussten mit der Zeit umzugehen, auch wenn sie nicht genau wussten, was Zeit eigentlich ist. Das weiß ja auch heute niemand so richtig. Außer dass alles relativ ist, also auch die Zeit.

 

Was Zeit eigentlich ist, darüber haben sich die namhaftesten Philosophen der Menschheitsgeschichte den Kopf zerbrochen. Für unsere Zwecke reicht es, sich Zeit als Folge von Ereignissen vorzustellen. Ereignisse sind dann, wenn etwas passiert. Aber ein Ereignis ist auch, wenn nichts passiert.
Tja, da fangen die Schwierigkeiten mit der Zeit schon an. Und bis
heute haben sie nicht aufgehört. Um Ereignisse und Nichtreignisse
einzuordnen, zu sortieren, zu messen, zu erinnern, sie mit anderen zu teilen, haben sich die Menschen schon sehr früh eine Zeitrechnung gegeben.

 

Das waren noch keine Kalender im heutigen Sinne. Das Wort Kalender übrigens stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie Schuldbuch.
Darin wurde eingetragen, wann ein Schuldner seine Steuern zu
zahlen hatte, nämlich an den Kalenden, dem ersten Tag eines Monats.
Man sieht, der Beruf des Finanzbeamten gilt zu Recht als einer der ältesten der Welt. Und selbst vor den Lateinern und vor den Griechen und vor den Pharaos verstanden es die Jäger und Sammler mittels einfacher Naturbeobachtungen Zeiträume zu benennen: Tage waren die Spannen zwischen zwei Sonnenaufgängen, und wenn die Sonne am höchsten stand, war Mittag. So konnten Verabredungen weitgehend problemlos eingehalten werden. Erst im Zuge der Industrialisierung genauer mit (stetiger) Zunahme des Eisenbahnverkehrs, wurden gegen Ende des 19.
Jahrhunderts global Zeitzonen und damit die synchronisierte Zeit eingeführt.
So geht denn in Görlitz die Sonne ein gutes Viertelstündchen
schneller auf als in Aachen, und in Flensburg bleibt es wegen der „schrägen“ Erdachse länger hell als in Garmisch-Partenkirchen.

Stunden, Minuten, Sekunden. Mancher an das Dezimalsystem gewöhnte Mitteleuropäer mag schon über komplizierte Umrechnungen geflucht haben. Schuld sind ausnahmsweise weder römische Steuereintreiber noch griechische Olympioniken, sondern die Babylonier, die mit dem Hexagesimalsystem rechneten, also mit der Basis 60. Das fiel den Babyloniern leicht, denn gegenüber der 10 hat die 60 den Vorteil von sehr vielen Teilern: Die 10 hat gerade mal 3 (1, 2, 5), die 60 jede Menge
(1, 2, 3, 4, 5, 6, 10, 15, 20, 30). Das verschafft dem einfachen Rechnen viele Möglichkeiten, die unserer hochmodernen Zivilisation allerdings weitgehend verloren gegangen sind. Was vor 2500 Jahren selbstverständlich war, überfordert uns heute. Besonders wenn kein Taschenrechner zur Hand ist.

Jens Wieker, 8.11.2013
Foto:

hrsg. von MedienMelange © Familienwelt-Hamburg

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